«I don't mind letting your programs see my private data as long as I get something useful in exchange. But that's not what happens. […] The state of personalized recommendations is surprisingly terrible. At this point, the top recommendation is always a clickbait rage-creating article about movie stars or whatever Trump did or didn't do in the last 6 hours. Or if not an article, then a video or documentary. That's not what I want to read or to watch, but I sometimes get sucked in anyway, and then it's recommendation apocalypse time, because the algorithm now thinks I like reading about Trump, and now everything is Trump. Never give positive feedback to an AI. — This is, by the way, the dirty secret of the machine learning movement: almost everything produced by ML could have been produced, more cheaply, using a very dumb heuristic you coded up by hand, because mostly the ML is trained by feeding it examples of what humans did while following a very dumb heuristic. There's no magic here.»
«Niemand dürfe auf Kosten der Allgemeinheit leben. Dies ist seit Jahren das sozial- und rentenpolitische Credo der FDP. Für das eigene Handeln gelten diese Grundsätze jedoch offenbar nicht, wie der bizarre Streit um die Schulden der FDP-Fraktion bei einem Rentenversicherer zeigt. Würde man eine Fraktion rechtlich wie ein normales Unternehmen behandeln, hätten sich die FDP-Granden nach Ansicht der Fachzeitschrift Legal Tribune wohl des Bankrotts strafbar gemacht. Da es hier jedoch offenbar eine Gesetzeslücke gibt, muss nun die Allgemeinheit für rund sechs Millionen Euro nie gezahlter Rentenbeiträge der FDP geradestehen.»
«Müssen wir wegen der Digitalisierung schon bald mit Millionen Erwerbslosen rechnen? Oder sorgen Fachkräftemangel und demographischer Wandel dafür, dass Erwerbslosigkeit schon bald ein Fremdwort ist und unsere Volkswirtschaft händeringend Arbeitskräfte aus dem Ausland anwerben muss? Diesen Fragen ist die Bertelsmann Stiftung nachgegangen und kam zum ‹Ergebnis›, dass Deutschland bis 2060 pro Jahr eine Nettozuwanderung von 260.000 Arbeitskräften bräuchte, um ‹den Arbeitskräftebedarf der Wirtschaft angesichts der alternden Gesellschaft› zu decken – ein sorgfältig konstruiertes Wunschergebnis der arbeitgebernahen Stiftung, bei dem die Autoren zahlreiche kreative Kunstgriffe benutzten, um der Politik Empfehlungen zu geben, die ganz und gar nicht im Interesse der Mehrheit sind.»
«Eliten seien in Deutschland immer weniger durchlässig, schreibt der Wissenschaftler in seinem neuen Buch. Die Folge, so Hartmann: Politikverdrossenheit und Rechtspopulismus. — […] ‹Die Eliten haben sich – in einem bestimmten historischen Zeitraum – immer mehr von der Bevölkerung entfernt, sowohl was ihre soziale Herkunft angeht, als auch ihr Denken und Handeln.› […] ‹Die Politik war lange der Gegenpol zur Wirtschaft, sie war die sozial offenste Elite. Knapp zwei Drittel der Spitzenpolitiker stammten aus der breiten Bevölkerung, ein beträchtlicher Teil davon aus der Arbeiterschaft. Ein gutes Drittel kam aus dem bürgerlichen und großbürgerlichen Milieu. Zwischen 1999 und 2009 hat sich das praktisch auf den Kopf gestellt. Auf einmal gab es zwei Drittel Bürgerkinder.›»
«Alles begann vor ein paar Jahren mit einer Anfrage. Ob David Graeber nicht eine radikale These hätte, fragte der Chef eines radikalen Magazins, die sonst keiner drucke? Graeber, Anarchist und Bestseller-Autor, hatte natürlich eine These: Millionen Jobs in der modernen Wirtschaft seien erschütternd nutzlos für die Gesellschaft – und frustrierend für den Einzelnen. Der Essay sorgte für Aufsehen, wurde in mehrere Sprachen übersetzt. Und er widerlegte sofort die Vermutung, so etwas drucke sonst keiner. Diese Woche erscheint Graebers auf 350 Seiten ausgedehnte Recherche, für die der Autor einen üppigen Vorschuss kassierte, als Buch zunächst auf Englisch: ‹Bullshit-Jobs›.»
«Einerseits hat das Regime begonnen, Teile [der Wirtschaft] zu entstaatlichen – zuerst die Landwirtschaft. Andererseits ist die staatliche Versorgung mit der Hungersnot in den späten 1990er-Jahren zusammengebrochen; seither ist von unten eine Marktwirtschaft entstanden. Damit hat sich Nordkoreas Produktivität deutlich verbessert.»
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«Kim Jong-un war noch nicht einmal 30 Jahre alt, als er ziemlich unvorbereitet die Macht über ein marodes System übernehmen musste. […] Nachdem der Vater 2008 einen Schlaganfall erlitten hatte, war er im Schnelldurchgang durch verschiedene Ämter geschleust worden. […] Inzwischen hat Kim seine Macht konsolidiert. Im Apparat hat er einen Generationenwechsel vollzogen und eigene Leute um sich geschart. Dazu gehört seine Schwester Yo-jong.»
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«[Kims Onkel Onkel Jang Seong-taek] galt als Reformer, der Chinas Weg kopieren wollte. […] Jang Jin-sung, ein prominenter Überläufer, schrieb damals, Kim selber habe keinerlei Macht, er sei nur eine Marionette von Hintermännern im Organisationsbüro der Partei. Diese hätten Jangs Hinrichtung befohlen, nicht er. Sie hätten ihn damit gewarnt, er solle nicht glauben, er regiere Nordkorea. Einige Tage nach Jangs Hinrichtung saß Kim mit aschfahlem Gesicht, als sei er schwer krank, stumm auf einer Parteiversammlung. Das war ein anderer Mensch als der selbstbewusste, gewandte Machthaber, als der er jetzt auftritt. Und der Nordkorea nun offenbar selber steuert.»
«‹Uli› Gack hat es getan. Der Leiter des ZDF-Studios in Kairo hat in einer Live-Schalte der ZDF-Nachrichten Augenzeugenberichte des vermeintlichen Giftgasangriffs auf die syrische Stadt Duma wiedergegeben, die der offiziellen Sprachregelung der Regierungen in Washington, London, Paris und Berlin widersprechen. Dieser kleine Ausflug in eine differenziertere Berichterstattung wurde sogleich von den Kollegen bei BILD und Focus mit einer kaum zu glaubenden Vehemenz attackiert. Der angesehene Journalist war plötzlich ein ‹Verschwörungstheoretiker› und ‹Assad- und Putin-Propagandist›, der entweder ‹keine Ahnung hat› oder ‹bewusst lügt›. Das ZDF stellte sich daraufhin nicht etwa – wie es sich eigentlich gehören sollte – vor seinen eigenen Mitarbeiter, sondern distanzierte sich ausdrücklich. Nun muss Gack offenbar Aussagen aus ‹nicht bundesregierungskonformen› Quellen speziell als ‹potentielle Propaganda› kennzeichnen. Für konforme Quellen gilt dies freilich nicht. Und Gack ist damit kein Einzelfall.»
«Politische Parteien, die als regierungsfähig gelten, werden in der westlichen Demokratie zwischen Washington, Paris, London, Seoul und Tokio routinemäßig von Unternehmen und Banken (mit)finanziert – das ist eine ebenso bekannte wie banale Tatsache. Die Bundesrepublik Deutschland ist aber der einzige größere Staat mit demokratischem Anspruch, in dem die als regierungsfähig erklärten Parteien sofort von Beginn an durch Privatunternehmen finanziert wurden, ja ohne diese Umstände vermutlich nicht in die Regierung gekommen wären.»
«Dies betrifft (bis heute) CDU, CSU, FDP, daneben die 1961 aufgelöste rechtsradikale Partei DP (Deutsche Partei), die ab 1949 zu allen drei Regierungskoalitionen des Bundeskanzlers Adenauer gehörten. Sie alle waren erst nach 1945 vor Gründung der Bundesrepublik gegründet worden, vorher gab es sie nicht. Sie hatten deshalb zunächst kein Vermögen und wenig zahlende Mitglieder. Sie standen den Parteien SPD und KPD gegenüber, die zwar durch das Hitler-Regime bekämpft und geschwächt worden waren, aber sich rasch reorganisierten, über Vermögen und auch über moralische Autorität verfügten, da sie Widerstand gegen die Nazis geleistet hatten (das galt teilweise auch für den gewerkschaftsnahen Teil der Zentrumspartei, zu dem Adenauer nicht gehört hatte). Die staatliche Parteienfinanzierung gab es noch nicht.»
«Arrivederci Italia? No! Die Wirtschaft des Landes wird oft miesgemacht. Das ist töricht. — […] Italien ist jedoch nicht Griechenland. Es ist trotz der Krise der zweitgrößte Industriegüterhersteller Europas. Diese Stärke verdankt das Land maßgeblich der Attraktivität seiner Produkte auf den internationalen Märkten. 2016 erzielten die Unternehmen einen Handelsbilanzüberschuss von mehr als 51 Milliarden Euro. Italien belegt damit in Europa hinter Deutschland und den Niederlanden den dritten Platz. In diesem Jahr legen die Ausfuhren um sieben Prozent zu. ‹Made in Italy› ist auf den Weltmärkten ein Qualitätsversprechen – wie, pardon, ‹Made in Germany›. 2017 wird Italien mit 450 Milliarden Euro sein bestes Exportergebnis aller Zeiten einfahren. In den akademischen Zirkeln löst das Verwunderung aus – man rätselt über die seltsame Wettbewerbsfähigkeit Italiens.»
«Donald Trumps Wahlsieg vor einem Jahr war ein Schock für Linke und Liberale im Westen. Um sich und anderen zu erklären, was passiert ist, greifen sie immer wieder zu einer Theorie: Nationalisten von Trump bis zur AfD verdanken ihren Aufstieg nur dem Internet, vor allem der vermeintlich dunklen Macht der sozialen Medien. […] — Brexit, Trump und AfD sind in erster Linie Symptome einer politischen Krise. Teile der liberalen Öffentlichkeit reagieren auf diese aber mit einer Art Techno-Paranoia und suchen die Schuld im Digitalen. Sie erklären komplexe politische Ursachen wie die Nachteile der Globalisierung oder die Wunden der deutschen Einheit zu einem technischen Problem: Die Wähler von AfD und Trump wurden halt im Internet manipuliert, da muss Facebook doch was tun! Dass die Wähler wussten, was sie taten, dass die Netzwerke in erster Linie gesellschaftliche Probleme abbilden, scheint unvorstellbar.»